2 Gedanken zu “Abendlied einer Mutter

  1. Natalie 5. August 2016 / 23:15

    Liebe Frau Taugewas,
    Nach dem Eingangszitat von Einstein willst du vielleicht lieber gar keinen Komentar,aber nachdem ich nun mehrere Tage immer wieder über deine Worte nachgedacht habe, traue ich mich doch.
    Weil ich die süße Verlockung irgendwie Trost zu spenden so verdammt gut kenne.
    Eigentlich wünscht sich jeder deiner Freunde einen Zauberstab, da bin ich mir ganz sicher. So einen der BING macht und alle Kleinkindchromosomen täten, was man von ihnen erwartet.
    Oder der Körper meiner besten Freundin, der sich im Jahresrhythmus neue, wenig rosige Zukunftsaussichten verheißende Diagnosen zulegt.
    Und weil der verdammte Zauberstab immer noch nicht geliefert wurde, fängt man selber an rumzustümpern, versucht irgendetwas zu sagen, nach dem die Freundin „ermutigt“, „aufgebaut“, „etwas hoffnungsvoller“ bla, bla ist, kratzt man verzweifelt in seinem Kopf und im World Wide Web nach vergleichbaren Geschichten mit positivem Ausgang und schaut dabei nicht ganz so genau hin wie weit es mit der Vergleichbarkeit her ist.
    Zum Glück merke ich dann doch irgendwann,dass es in meinem quasselnden Mund irgendwie bröselt, dass die Verzeiflng nicht vor Worten kapituliert und dann bleibt bestennfalls zu sagen „ach, wie furchtbar ungerecht ist das“ oder einfach das Wort mit SCH… oder eine Umarmung und dann ratert dieser ruhelose Kopf schon wieder los auf der Suche nach etwas Positivem, Weiterbringendem, Erlösendem. Auch wennn es doof rüberkommt ist es meistens Freundschaft glaube ich, manchmal wohl auch nur Abwehr .
    Man will es seinen Freunden einfach besser gehen lassen, auch wenn man niemals zaubern können wird.
    Besser auf jeden Falll als so eine blöde Antwort, die ich vor einiger Zeit in einem Forum bekam: Frühgeborene werden nur aus ärztlicher Geldgier aufgezogen, besser solle man sie sterben lassen. Danke auch. Da höre ich lieber ein euphemistisches „Ach, das holt der kleine Kerl spielend auf“.

    Und die Trauer über eine Diagnose und die Liebe zu dem mit der Diagnose sind kein Widerspruch. Eher das Gegenteil.

    Natalie

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    • Frau Taugewas 10. August 2016 / 21:33

      Liebe Natalie,

      jetzt wo Du es schreibst, ist das Einganszitat von Einstein tatsächlich etwas abwehrend gegenüber Kommentaren. Dabei trifft es mich ebenso wie alle anderen. Ich begreife auch nichts. Es ist verrückt, wenn andere sagen „Hey, klasse wie du damit umgehst!“, denn ich gehe nicht, ich stehe. Und auch nicht „um“ sondern „neben“. Ich stehe daneben. Und begreife nichts. Ebenso wenig wie alle anderen. Ich glaube, ich stehe nicht nur neben „der Sache“, sondern auch neben mir.
      Du eröffnest mir eine ganz neue Sichtweise. Dein “ ist es meistens Freundschaft glaube ich, manchmal wohl auch nur Abwehr“ ist so wahr…
      Die Abwehr schmerzt, dabei ist die Abwehr, glaube ich, die nackte Angst, es könne einen selbst als (zukünftige) Eltern treffen.

      Die Worte über die Frühchen erschrecken mich. Das mit Deiner Freundin tut mir leid. Irgendwie stehen wir alle mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Mal getroffen, mal betroffen.

      Ja, ich glaube, viele wollen nur zwanghaft irgendetwas positives sagen. Irgendetwas.
      Das Wort mit SCH hat hier keiner gesagt. Umarmungen, ach, ich glaub, wir sind stachelige Igel. Vielleicht warte ich auf ein „so ist es“. Aber anstatt zu warten, spreche ich es mir selbst vor.
      Das erinnert mich an „Hände hoch“ von „wir sind Helden“, wo es heißt „Behalt den Schmerz in deiner Brust, Aber wehr dich nicht mehr, Nimm deine Hände hoch, Ergib dich, Sprich mir nach: So ist es“

      Liebe Grüße !!

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