Urlaub auf der Insel und der Zauber des Eis-essen-Lernens

In den Ferien oder auch am Wochenende, da frühstücke ich mit den Kindern im Park. Weil das hibbelige Kleinkind dann rumlaufen kann und nicht an dem Reha-Stuhl fixiert werden muss. Weil dann keiner schreit. Und weil es egal ist, wenn man krümelt. Wir sitzen dann gelehnt an einen Baum und essen so, wie es uns gefällt, und bohren mit dem Finger Rosinen aus süßen Brötchen. Jeder läuft so viel wie er laufen will. Das kleine Kind läuft ununterbrochen. Im Park fällt das nicht so sehr auf wie in einer Stadtwohnung mit Esstisch in der Küche. Dort hält die Stimmung am besten mit getrockneten Cranberries, die von einer Plastikschüssel in die andere sortiert werden. Wenn ich schnell genug bin, stelle ich Beeren und Schüsseln so schnell vor die Nase des Kindes, dass es noch dabei ist, die Luft zum Protestschrei einzuatmen. Der Stuhlprotest. Der Reha-Stuhl macht die Teilhabe an familiären Mahlzeiten erst möglich, ist aber dennoch eine Barriere im Alltag. Wenn der Stuhl sprechen könnte, würde er sagen, ihm geht es oft beschissen – und das ist tatsächlich wörtlich zu verstehen. Über chronischen Durchfall möchte ich an dieser Stelle aber besser nicht schreiben. Weiterlesen

Emanzipatorisch-weltanschauliche Frühstücksgespräche. Vom Säen.

Um 6:10 Uhr montagmorgens.

Kind: Was *nuschel*-ählst Du?

Ich: Was ich wähle?

Kind: Nein, was *nuschel*-ähs Du?

Ich: Bei der Bundestagswahl meinst Du? Was ich da wähle?

Kind (genervt): Nein, was Du säst!!!??!!! Weiterlesen

Augen in Weckgläser und die Währung Sasaba

Der große Sohn und ich sprechen über das FSJ. Das freiwillige soziale Jahr. Und dass die Frau in der OGS eine FSJ-lerin ist. Und dass es auch das FÖJ gibt: Das freiwillige ökologische Jahr.

Ganz klar, wenn er älter ist, dann will er das FTJ machen: Das freiwillige technische Jahr! Das muss dann erst noch erfunden werden. Weiterlesen

Ein Blick auf die Insel

Wie ist denn das mit ´nem autistischen Mann? Ist das nicht so, dass die auch Probleme mit Nähe haben, die Autisten? Und das dann mit dem Kleinen.. Wie ist´n das so?

Vielleicht. Ich weiß es nicht. Längst bin ich schon so lange abseits der Normalität, dass ich die ganze Sache nicht objektiv einschätzen kann.

Guckt doch mit einem Fernrohr auf unsere Insel. Weiterlesen

Lachfalten

blog102

Im Wartezimmer des Kontaktlinsenlabors. Neben mir sitzt ein Elternpaar mit ihrem Sohn, der ziemlich aufgeregt ist. Er rutscht unruhig auf dem Stuhl herum und sagt „Licht“ und „Labor“ und „Auge gucken“. Sein Vater beruhigt ihn mit warmer Stimme und seine Mutter lächelt sanft. Das Kleinkind und ich hocken daneben am Kindertisch und wurschteln mit Ausmalbüchern und Stiften herum. Ich finde es durchaus mutig, in einem Wartezimmer in der Augenklinik spitze Holzstifte für Kinder auszulegen, aber das ist eine andere Geschichte. Weiterlesen

Mit dem Kopf im Regal und dem Zettel in der Hand

blog99

Ich stehe in der Fachbibliothek vor dem Büro eines Dozenten. Zu seiner Sprechstunde wollen heute eine Menge Studenten, die sich zwischen den büchergefüllten Regalen an Tischen stapeln. „Sprechstunde im Wintersemester: Montags ab 16 Uhr“ steht in Großdruck auf einem Zettel auf der Bürotür. Es ist 16:07 Uhr. Das Kleinkind hängt in der Trage vor mir. Es muss mit, da die Kita um 17 Uhr schließt und der Weg von der Uni zur Kita nimmt etwa eine halbe Stunde in Anspruch. Dieses Mal nahm er länger in Anspruch, da die S-Bahn einen Oberleitungsschaden hatte. Deswegen ist es nun 16:07 Uhr und nicht 15:50 Uhr. Nun also warten. Und still sein, weil es ja eine Bibliothek ist. Das Kind, 14kg schwer und knapp drei Jahre alt, muss in der Trage bleiben. Das liegt an seinen Leidenschaften: Regale ausräumen und Papier zerreißen. Weiterlesen