Mögliche Unternehmenspläne

In Iphigenie auf Tauris schreibt Goethe:

„Kein Mensch muss das Unmögliche erzwingen wollen“.

In Die Leiden des jungen Werthers schreibt Goethe:

„Niemand weiß, wie weit seine Kräfte gehen, bis er sie versucht hat.“

Solang es also möglich ist, sollte man also versuchen, was es zu versuchen gibt.

In der Welt meines Sohnes ist so ziemlich alles möglich.

Schon jetzt weiß er, welche Möglichkeiten er hat und was er versuchen wird.

Später wird er Unternehmer und stellt Katzenhubschrauber her.

Gegen Geld erledigen die alles, was man sich nur denken kann.

Sie sind klein, rot und werden vom Unternehmensgründer persönlich ferngesteuert.

„Mama, die machen deine Uni-Aufgaben für dich und räumen den Geschirrspüler aus.“

Herrlich!

Am Schwanz ist eine Steckerverbindung, dort kann man sie mit Ökostrom aufladen.

Am Schwanz ist auch eine Taschenlampe und Vulkanlavabomben kann der Katzenhubschrauber auch damit abschießen.

Muss der denn Bomben schießen, frage ich.

„Falls Krieg ist in Russland und Nordamerika, Mama, weißt Du?!“

Aha.

Mir fehlen ein bisschen die Worte. Macht aber nichts, mein Sohn redet dafür ununterbrochen. Vom Katzenhubschrauber und seinem Unternehmen.

„Wir sind umgeben von Industrie und meine Freunde arbeiten auch in meiner Firma und deren Freunde und von den Freunden wieder die Freunde, dass sich das ausbreitet wie ein Erdbeben. Aber ich bin der Chef.“

Wir gehen im U-Bahn-Schacht an zwei Menschen vorbei. Sie liegen auf Matten auf dem Boden. Daneben ihr Hab und Gut.

„Mama, mein Unternehmen hat so viel Geld, da kann ich den armen Menschen was abgeben.“

Ich wünsche mir, dass er seine Kräfte versucht und das Mögliche schafft. Auch ohne Lavabomben.

Essensbesteckprobleme und Problemlösungen

Ich schenke meinem Sohn Seifenblasen.

Reaktion seinerseits: „Och nee“

„Warum freust Du dich denn nicht?“

„Mama, ich freu mich nur im Kopf.“

Aha!

Sohnemann ist mit schwerwiegenderen Problemen beschäftigt als

Seifenblasenfreude Ausdruck zu verleihen.

 Für jedes Problem gibt es eine Lösung.  

Zu viel Müll auf unserer Erde?

„Den kann man doch einfach in den Himmel schießen, bis über die Atmosphäre. Beim Sturz zurück verbrennt der Müll dann einfach. “

Mama will nicht abgeschossen werden?

PENG! „Ich schieße nur Schokoladentafeln auf Dich mit dem Katzenschwanz!“

Das Baby schreit und will den Schnuller nicht?

„Wir müssen den Nuckel mit Klebeband besfestigen.“

Wer kreativ ist, der findet schon eine Lösung.

 

Ich sitze mit zwei Freunden in einem japanischen Restaurant,

Schwierigkeitsgrad: hoch !

Es gibt Nudelsuppe. Als Essbesteck Stäbchen. Das Baby habe ich auch dabei.

In einem Arm das zappelnde Kind, in der anderen Hand die Stäbchen.

Gegenüber sitzt die Freundin, sie isst gekonnt ihre Suppe.

Links von mir ein Freund, der auch ohne Baby mit den Stäbchen überfordert ist.

Ich bin also nicht allein mit meines Besteckproblematik.

Ohne meinen Sohn und seine kreativen Problemlösungen sehe ich mich gezwungen,

die Suppe auf traditionelle japanische Art zu essen. Und trotz Baby bin ich sogar eher fertig als der Freund links von mir.

Zuhause isst mein Sohn ein Ei. Schwierigkeitsgrad: mittel.

Mit dem Löffel klappt es nicht. Sorgfältig wird das Eigelb mit der Hand freigelegt.

Das Eiweiß wabbelt am Tisch, auf dem Stuhl, neben den Füßen, nur nicht auf dem Teller.

Ich denke: So sieht also eine kreative Lösung bei Besteckproblemen aus!

Ich sage: „Gib Dir mal ein bisschen Mühe beim Essen!“

Aber freuen tu ich mich. Im Kopf.