Alltagszauberei

Meine Bleistifte sind alle dunkelgrün. Ich mag grün und außerdem sind sie alle von der selben Marke. Nur einer, der ist klein, ziemlich runtergespitzt und abgekaut und alt. Und gold-rot. Er taugt nicht mehr zum Zeichnen, aber zum Kritzeln oder zum Einkaufslistenschreiben.

Wir sitzen am Frühstückstisch. Mein Sohn, ich und der Einkaufslistenkritzelbleistift.

Mein Sohn nimmt den Stift in die Hand: „Wo hast Du den Bleistift denn her, Mama? Der sieht voll edel, voll romantisch aus. Mit dem Gold…“

Wie schön, wenn man in den kleinen Dingen des Alltags noch so viel Schönheit entdeckt.

Dann schneidet mein Sohn die Müslipackung auf. Schnapp. Eine Ecke aus Plastikfolie springt von der Schere neben die Müslischale.

„Mama, das ist ein Mann der grad Pipi macht!“

„Bitte nicht schon am frühen Morgen beim Essen über Pipi reden!“

„Nein, das ist ein Schmetterling, Mama!“ sagts und flattert mit der Plastikecke durch die Küche.

Als Kind verzaubert man pinkelnde Männer binnen Sekunden in Schmetterlinge.

An der Bushaltestelle stellt unsere Bushaltestellenbekanntschaft fest:

„An der Decke hängt noch der Mond!“ und zeigt auf den Halbmond, der am morgendlichen Himmel zu sehen ist.

Simsalabim und der Himmel ist eine Decke.

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