Wie es (wohl) ist, anders zu sein?

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Wie fühlt sich Anderssein an?

„Mama, Du bist Luftpumpe und ich bin Fahrradreifen.“ so beschreibt mein Sohn die Differenz zwischen uns. Unseren Welten. Luftpumpe ist ein Sternbild. Fahrrad auch. Unsere Sternbilder liegen voneinander entfernt. Das will er damit sagen. Aber dennoch: eine Pumpe ohne Rad hat keinen Sinn. Umgekehrt auch nicht.

Wie fühlt sich das an. Anders zu sein?

„Ein Auto, das Schrittgeschwindigkeit fährt.“ sagt mein Mann.  Ausgebremst. Ein anderes Tempo. Wie auf der falschen Spur.

Anderssein ist Unverständnis. „Warum machen die das?“ fragte mein Sohn als Kindergartenkind. Seine Stimme war voller Verzweiflung und Ratlosigkeit. Die Kinder liefen schreiend durch den Flur. Warum bloß? Es sind Kinder. Mein Sohn auch. Aber anders.

Anderssein heißt anders fühlen.

„Ich hab Dich lieb, Mama! Vom Urknall bis zur Unendlichkeit, bis zur Explosion!“

Anderssein heißt anders zu denken.

„Die 8 ist die allertollste Zahl, denn die ist zwei Mal vier.“ Sie füllt alle Striche auf der digitalen Anzeige aus. Sie ist symmetrisch.

Anderssein ist bestimmt nicht leicht. Eincremen fühlt sich dann schlimm an. So schlimm, dass der Anblick der Sonnencreme ausreicht, den Sandeimer durch den Spielplatz zu werfen. Anderssein bedeutet einen anderen Blick zu haben. Anders wahrzunehmen. Die Spielzeugloks werden nicht auf die Schienen gesetzt. Sie werden gewogen. Mit der Küchenwaage.  Zahlen sind toll. Zahlen sind immer gleich. Be-rechen-bar. Wie viel Gramm Himbeeren habe ich in den Nachtisch getan? Wie viel hat mein Friseurbesuch gekostet? Wie viel Gramm wiegt das Kaubonbon?

Die Welt im Sternbild Luftpumpe ist eine andere als die im Sternbild Fahrrad(reifen).  Es ist ein anderes Tempo. Schneller und manchmal langsamer. Lauter oder leiser. Zählbar. Rechenbar. Symmetrisch.

 

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