Fahrzeit

Da steh ich morgens im Bus,
ich fahre wie andere Lesende auch,
mit der Zeit, weil ich irgendwo ankommen muss,
mit dem Kind, gebunden vor meinem Bauch.

Die Zeit halt´ ich in meiner Hand,
Worte fesseln meinen Blick,
was passiert ist dort oder im eigenen Land,
vom Großenganzen auch nur ein Stück.

5000 Flüchtlinge schlafen in Zelten,
neben mir döst einer in Nadelstreifen,
Gesetze, die im nahen Osten nicht gelten,
so früh morgens kann ich das nicht begreifen.

Eine Menschenrechtsorganisation kritisiert,
dazwischen Rekordwetter und NSU-Prozess,
und wie man die Pfunde am schnellsten verliert,
und Yoga hilft gegen Hunger und Stress.

Der Dösende steigt aus dem Bus,
er nimmt die Zeitung mit,
2 Stationen bis ich austeigen muss,
86 Milliarden Euro Kredit.

Für Griechenland das dritte Hilfsprogramm,
für Deutschland bald auch Burkaverbot?
Der Bus bremmst, festhalten, alles steht stramm,
die Ampel springt von Grün auf Rot.

Ein Klick bis zum nächsten Artikel der Zeit,
mein Blick nun auf´s Kind, weil der Browser nicht läd,
ich steige aus, bis zur Uni nicht weit,
hab´ alles dabei, bin auch nicht zu spät.

Auf der Fahrt habe ich noch die Zeit gelesen,
wie die anderen dösenden Fahrenden auch,
bei der Tagesmutter bin ich gar nicht gewesen!
Oh Schreck! Es hängt noch vor meinem Bauch!

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