Augen in Weckgläser und die Währung Sasaba

Der große Sohn und ich sprechen über das FSJ. Das freiwillige soziale Jahr. Und dass die Frau in der OGS eine FSJ-lerin ist. Und dass es auch das FÖJ gibt: Das freiwillige ökologische Jahr.

Ganz klar, wenn er älter ist, dann will er das FTJ machen: Das freiwillige technische Jahr! Das muss dann erst noch erfunden werden.

Aber schöne Augen hat er. So schön. „Mama, ich bekomme immer Komplimente wegen meiner Augen. Weil die so besonders schön sind:“ – „Ja, das sind sie auch! Sie sind so klar und strahlend blau.“ – „Und sie haben so ein spezielles Muster.“ – „Ja, stimmt. Wie ein Stern um die Pupille.“ – „Du, wenn ich tot bin, dann kommen meine Augen in ein Weckglas mit Salzwasser gefüllt und das steht dann in der Innenstadt, damit sie jeder sehen kann!“ – „Uh! Echt? Warum? Ist das nicht ein bisschen gruselig? So…nur die Augen im Weckglas?“ – „Wie? Die sind doch so schön!“

Beim Essen kommen die philosophischen Gedanken: „Ich bin eine Batterie. Kein Akku. Ich lebe und dann bin ich leer.“

Oder auch so als Gesprächseinstieg: „Also das Markusevangelium ist schon komisch, find ich!“  Ich habe leider nicht herausfinden können, weshalb es komisch ist.

Dafür ist das Kind der Anwalt der Silberfischchen. Seit dem Wasserrohrbruch im Badezimmer, als die Wand einige Zeit offen war und aus dem alten Gemäuer Silberfischchen zwischen Bleileitungen hervorgekrochen kamen, leben bei uns im Bad Silberfischchen. „Wo Silberfische sind, gibt´s keinen Schimmel, die essen den nämlich!“ schlussfolgert der Mann und hebt mit der Pinzette ein Silberfischchen vom Fußboden auf um es in sein Formicarium zu setzen und ihm dabei zuzugucken, wie es sich gegen eine Kolonie malaysischer Weberameisen zur Wehr setzt. Als dann ein Silberfischchen aus dem Pizzamehl kriecht, starte ich den Angriff und kaufe Silberfischfallen. Jetzt bin ich Staatsfeind. „Die Königin der Silberfische hat mich nämlich beauftragt, mich für ihre Rechte einzusetzen. Sie bezahlen mich sogar dafür. In Sasaba, das ist die Währung der Silberfische.“ Mir fehlen die Argumente und ich greife zu Giftköderwaffen. Der Krieg beginnt.

Er wird immer selbstständiger. Nach der Logopädie bringe ich ihn noch zur Bushaltestelle, dann soll er nach hause fahren. Sicherheitshalber frage ich zum tausendsten Mal: „Und wo steigst Du aus?“, damit das Kind nicht versehentlich zu weit fährt und in der Innenstadt aussteigt. Klare Antwort vom Jungen: „Hinten!“

Bei dem Erstgespräch mit der Ergotherapeutin soll er einen Fragebogen ausfüllen. Lauter nervige Fragen. „Was magst Du gern?“ – „Fil“ (soll „viel“ heißen) – „Was magst Du nicht?“ – „Kann ich nicht schreiben“ – „Dann sag es einfach, ich schreibe es für dich auf!“ – „Mückenstiche!“ – „Was kannst Du gut?“ – „Fil“ – „Was kannst Du nicht so gut?“ – „Nix“ – „Was musst Du noch üben?“ – „Nix. Ich grinse. Warum sind wir eigentlich hier?

Ehrlichkeit ist immer angebracht. Auch die Ehrlichkeit anderer? „Warum spricht der so komisch?“ will ein Mädchen wissen. Tja. Später kommt ihm selbst die Antwort: „Weil ich eine Geheimsprache habe und deshalb denken viele, das ist Dialekt!“

Ich finde, sie klingt melodisch, seine Sprache. Ich summe ein bisschen vor mich hin. „Mama, hör auf! Ich mag keine Musik!“„Aber so Papa-Musik magst Du doch. So Dschdschdschdschdsch bummbumm(ein Versuch Rock und Metal lautmalerisch umzusetzen) – „Ja, aber das ist keine Musik!“ – „Doch!“ – „Ach Mama..“

Und das mag er. Käptn Peng, „Der Anfang ist nah“.. Am Ende des Videos hat Käptn Peng Wunderkerzen an einem Akkubohrer. Toll. Ich mag das auch.

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