Da steh ich morgens im Bus,
ich fahre wie andere Lesende auch,
mit der Zeit, weil ich irgendwo ankommen muss,
mit dem Kind, gebunden vor meinem Bauch. Weiterlesen
Aus dem Leben eines Taugewas
Avocadokuchen und was ich wirklich backen will
In dem Eisfach unseres Kühlschrankes liegt, in Folie gewickelt, ein Schokokuchen. Mit schwarzen Bohnen und Avocado. Dem Rezept nach soll er total gesund und super lecker sein. Mein Kuchen schmeckt wirklich einfach nur widerlich. Ich hatte ihn in einem Anflug von Jetzt-backe-ich-mal-was-wirklich-leckeres-und-keiner-schmeckt-die-gesunden-Zutaten-raus gebacken und außer mir wollte den Klotz keiner probieren. Das ist nun schon drei Monate her. Der Kuchen liegt eingefroren im Eisfach und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, überkommt mich das schlechte Gewissen. Ich will ihn nicht essen. Weiterlesen
Wie erkläre ich meinem Kind seine Autismusdiagnose?
Im Schwimmbad.
Ich lege den Schwerbehindertenausweis meines Sohnes an der Kasse vor
und zahle für ihn den vergünstigten Preis und selber gar nichts, da ich Begleitperson bin.
Kind: Wieiviel hast du gezahlt? Wie teuer war das? Ist das der Behindertenausweis von F.?
Ja, er liebt Zahlen. Es hat mich nur 6 Euro gekostet. Weiterlesen
Mal eben einkaufen gehen
Glückliche Urlaubsfotos und die Realität
Eines von vielen Geheimnissen des Glücks soll es sein, ein mal im Jahr an einen fremden Ort zu reisen. Tapetenwechsel und Flucht vor dem Alltag sozusagen. Etwas neues entdecken und seine Sinne wecken, die im Alltagsgrau vor lauter Routine eingeschlafen sind. In meiner Erinnerung verbinde ich Urlaub mit unendlich langen Stränden am Mittelmeer, mit weichen Aprikosen und Pfirsichen, direkt am Baum gewachsen, am Rande eines Campingplatzes. Mit salzigem Meer, Muscheln und Weinbergschnecken, zum Frühstück Kakao aus dem Bol und Croissant. Ja, früher, als Kind, da waren wir oft in Frankreich. Auf den Fotos sehen wir alle entspannt aus. Weiterlesen
Machen Kinder unglücklich?
Vor einigen Jahren las ich einen Artikel, der sich mit dem Zusammenhang zwischen Elternschaft und Glücklichsein befasste (klick). Die Bilanz dieses Artikels ist, dass Eltern zu Beginn ihrer Elternschaft und mit jedem Kind unglücklicher werden, was sich später jedoch relativiert („Schon 30- bis 39-jährige Eltern mit bis zu drei Kindern sind dabei genau so glücklich wie Kinderlose“ – dann fehlen mir ja nur noch knappe fünf Jahre und ich kann mit dem Glückspegel meiner kinderlosen Mitmenschen mithalten, na ein Glück!) und im Alter sogar umdreht – dann sind Eltern den Studienergebnissen nach sogar glücklicher als kinderlose Menschen. Weiterlesen
Ganz normaler Trubel
Eine Einladung zu einem Kindergeburtstag ist etwas besonderes. In den sieben Jahren kann ich an einer Hand abzählen, wer meinen Sohn eingeladen hat. Die letzten zwei Jahre hat ihn sein einziger Freund eingeladen, ein autistischer Junge, den er noch aus dem Kindergarten kennt. Dieser Junge war auch der einzige Gast bei seinem letzten Geburtstag. M. wollte kein anderes Kind einladen. Das ist vielleicht untypisch für einen siebenjährigen Jungen, aber ganz und gar nicht untypisch für unseren Jungen. Viel Trubel mag er nicht. Weiterlesen
Vom auf-machen und zu-lassen
Am Hauptbahnhof. Betrunkene Menschen. Im Rausch. Auf dem Boden. Liegend, schwankend. Armut. Sucht. Wie kann ich daran vorbeigehen? Wie kann ich gehen, wenn da einer liegt? Mein Sohn starrt. Starrt ihn an. Angstvoll. Neugierig. Ungläubig.
„Mama, die Besoffenen da, am Hauptbahnhof. Warum trinken die Alkohol? Woher kommt überhaupt der Alkohol? Die sind verrückt, die Besoffenen. Und die tanzende Frau, weißt Du noch, Mama? Oder der schimpfende Mann in der Bahn. Der Besoffene. Weißt Du das noch, Mama?“
Warum lässt Gott das zu? Wie kann Gott das zulassen?
Gott ist kein Zulasser, kein Zulassender. Er ist nicht passiv. Er lässt nicht zu. Er ist nicht einer, der alle Fäden in der Hand hat, alles zum Guten wenden kann und es trotzdem lässt. Zulässt. Das Leid zulässt. Uns Menschen lässt. Er lässt uns nicht. Lässt uns nicht zu. Er öffnet uns. Er macht uns auf. Aufmachen statt zulassen. Aktiv werden statt passiv verharren. Statt sich verschließen.
Gott macht uns auf, er öffnet uns. Auch für das Leid. Er lässt uns nicht. Lässt uns nicht damit allein. Er öffnet. Öffnet uns und unsere Augen. Damit wir handeln, wenn wir Leid sehen. Damit wir uns öffnen. Handeln und helfen.
Ich will nicht vorbeigehen und lassen. Das zulassen. Mich zu-lassen. Ich will mich auf-machen. Aufmachen auf den Weg. Den Weg, der nicht vorbeigeht an dem, der da liegt. Der da schwankt. Und schimpft. Und tanzt. Im Rausch.
Ich will mich aufmachen und hingehen. Denn das ist ein Mensch. Vielleicht auch angstvoll, neugierig. Ungläubig. Und ich bin auch Mensch. Vielleicht auch verrückt, schimpfend. Tanzend.
Armut. Sucht. Auf dem Boden im Hauptbahnhof. Kann ich vorbei gehen, wenn da einer liegt? Oder starren, wie ein Kind? Kann ich mich zu lassen? Gott lässt nicht zu. Lässt mich nicht zu. Er öffnet. Ich mache mich auf.






